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Coimbra - viel besungene Universitätsstadt am Rio Mondego
Die Kleinstadt mit dem großen Namen ist vor allem wegen ihrer ehrwür-
digen „Universidade“ und den traditionsreichen Fakultäten der Medizin,
Literatur,desRechtsundderÖkonomiebekannt.Die„BibliotecaJoanina“
beherbergteinederschönstenBarockbibliothekendesLandesund eine der
wichtigsten Sammlungen portugiesischer Literatur. Viele bedeutende
Führungspersönlichkeiten waren einst Studenten in Coimbra, darunter
sechs Staatspräsidenten und drei Premierminister. Wer in Coimbra stu-
diert, dem stehen die Türen zur Macht offen, sagt man in Portugal.
Die studentischen Traditionen werden in Coimbra sehr ernst genom-
men, manche sind seit dem Mittelalter unverändert. Immer noch üblich
sind die „capas negras“ oder „capabatinas“, die schwarzen Umhänge.
Darunter trägt Mann Anzug und Frau Kostüm, dazu einen Zylinder mit
farbigem Band, das die Fakultätszugehörigkeit markiert. Rote Bänder
kennzeichnenJurastudenten,gelbedieMedizinerundblauedieLiteraten.
Dieses Studentenoutfit ist für besondere Feierlichkeiten gedacht, manche
tragenesauchinderUnizunormalenVorlesungen.DasjährlicheSpekta-
kel der „Queima das Fitas“ - das Verbrennen der Fakultätsbänder, ist
ein jahrhundertealtes Ritual der Studenten Coimbras. Zum Ende des Stu-
dienjahrs, aber noch vor dem Monat der Abschlussprüfungen, werden die
traditionellen Fakultätsbänder symbolisch verbranntund dann wird eine
Wochelangausschweifendgefeiert,bisdieExamenbeginnen.Auchdieso-
genannten „praxes“ - die Einführungsriten für Studienanfänger, die
teilweise wegen ihrer diskriminierenden und gewaltsamen Streiche um-
stritten sind, werden noch immer praktiziert.
DieStudentenlebeninPrivatzimmern,Wohnheimen oderWohngemein-
schaften. Letztere heißen in Coimbra „Repúblicas“. Deren Gründung geht
auf das Jahr 1309 zurück, als König Dinis den Bau spezifischer Wohnhäu-
ser als Studentenresidenzen im historischen Stadtviertel Almedina anord-
nete. Die „Repúblicas“ sehen sich ihrer langen Tradition auch verpflichtet.
Die derzeit 27 geschichtsträchtigen „Repúblicas“werdenvonderUniver-
sitätsubventioniertundbietenentsprechendgünstigeWohnmöglichkeiten.
Um die 200 Euro kostet die Miete, für das Essen werden pro Monat und
Mieter 50 Euro angesetzt. Manche leisten sich dafür auch eine Köchin und
Putzfrau. In einer „República“ wohnen normalerweise 6 bis 10 Studenten.
Das Bleiberecht besteht auf Lebenszeit und viele Ehemalige kommen noch
nachJahrzehntenaufeinenSprungvorbei.DieTüreneiner República“ste-
hen immer für jeden offen. Wer nur zum Essen und Diskutieren kommen
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