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in seinem Haus. Wir sahen ihn nicht mehr wieder. Die Aussicht von seinem Garten war
umwerfend - man sah die Täler hinauf, durch die wir gekommen waren. Feine Wolken-
strähnen drifteten unter den bewaldeten Bergkämmen; weiße Berggipfel ragten darüber in
den Himmel. Das Haus schien in einer abgeschiedenen Welt über den Wolken zu driften.
Wie es wohl war, hier Tag für Tag zu wohnen? Am nächsten Tag überquerten wir eine
Reihe von Flüssen. Die Fußgängerbrücken waren vom Hochwasser weggeschwemmt und
durch gefällte Baumstämme ersetzt worden, die hoch über rasendem weißem Wasser bal-
ancierten und die man am besten überquerte, ohne hinabzusehen. Wir hatten so viel an
Höhe verloren, dass wir nicht nur morgens kein Eis auf dem Zelt hatten, sondern der Sch-
weiß förmlich an uns herabtropfte.
Es war eine gewaltige Veränderung. Es gab zunehmende Anzeichen von Leben und
Menschen. Am Nachmittag wurde ich von einem Hund gebissen. Melissa hatte mich ge-
neckt, weil ich Hunden gegenüber sehr vorsichtig war. Als ein kleiner Schoßhund schrill
kläffend aus einem Haus heraus auf uns zu rannte, beschloss ich, ihm männlich ins Auge
zu sehen. Immerhin war er nicht größer als ein Fußball - ich hätte ihn in das nächste Tal
kicken können.
„Zeig ihm, wer der Boss ist“, sagte Melissa. Ich schritt forsch den Pfad entlang. Er sprang
an mir herauf und biss mich in die Wade. „Du hast ihm nicht gezeigt, wer der Boss ist“,
betonte Melissa ziemlich überflüssigerweise.
Wir erreichten die Straße und fuhren die letzten paar Kilometer nach Coroico mit dem
LKW. Lastwagen sind in Bolivien ein gängiges öffentliches Verkehrsmittel. Auf der ohne-
hin überbordenden Ladung des Lasters waren schon 30 Passagiere mit ihrem Gepäck
zusammengepfercht, die sich verbissen festklammerten, als der LKW durch die Sch-
laglöcher fuhr. Wir warfen unsere Ausrüstung hoch; Melissa kraxelte an der Seite hinauf.
Ich hatte es gerade noch geschafft, mich ebenfalls hinaufzuziehen, als der LKW schon
losratterte, wobei ich sofort auf zwei jungen Mädchen und deren Mutter landete, als der
Laster ein wenig schlingerte. Ich rollte über sie und ein paar andere Leute hinweg, bevor
ich in einer Mulde in der Plane zwischen einem alten Mann und einem großen Korb
Bananen zum Liegen kam. Der alte Mann nickte ausdruckslos, als wenn eine solche Art
des Einsteigens für ihn nicht ungewöhnlich wäre.
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