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langen Fußmarsches und da es keine Straße gab, kamen keine Tagesbesucher. Es gab auch
kaum Kolumbianer. Vielleicht konnten sie es sich nicht leisten, durch Bestechung herein-
zukommen.
Arrecifes selbst bestand aus drei Restaurants. Wir waren am Arrecifes-Restaurant an-
gekommen (ein fantasievoller Name), dem poppigsten, das auch unter Travellern am be-
liebtesten war. Daneben war das El Paraíso - es war etwas eleganter und wurde von den
wenigen Kolumbianern bevorzugt, die es in den Park schafften. Das El Paraíso hatte eine
riesige Menge unbeschäftigten Personals, das den größten Teil des Tages mit Nichtstun
beschäftigt war: Es gab Eseltreiber, die für Nachschub aus Santa Marta sorgten; ein paar
Mädchen, die in einem kleinen Laden bedienten, der kaum mehr im Angebot hatte als
Kekse und Kerzen; zwei Rezeptionisten; drei Reinigungskräfte; zwei Bedienungen; und
einen Koch.
Ein drittes Restaurant wurde von einem dicken Mann, seiner Frau und seinem ebenso dick-
en zwölfjährigen Sohn betrieben. Es stand, von der Küstenlinie etwas abgesetzt, weiter hin-
ten unter den Kokospalmen und hatte keinerlei Dekoration - nur ein paar Reihen hölzern-
er Tische in einem kleinen, umzäunten Bereich. Es war immer leer, obwohl das Angebot
hinsichtlich Inhalt, Preis und Qualität genau dasselbe war, wie in den anderen beiden Res-
taurants.
Es gab außerdem einen Fußballplatz ohne Rasen, auf dem die Gringos manchmal überredet
wurden, ein Barfuß-Spiel gegen die Einheimischen zu spielen. Es war eine Falle. Das
kolumbianische Team war eine Mischung aus dicken alten Männern und Kindern, aber sie
gewannen immer. Lange bevor das Spiel zu Ende war, waren die weichen Fußsohlen der
Gringos wund, sodass keiner mehr laufen (geschweige denn rennen) konnte. Man wusste,
wann ein Spiel stattgefunden hatte, da die Gringos für den Rest der Woche unter Schmerzen
herum humpelten und furchtbare Blasen versorgten.
Dieses kleine Restaurant-Trio stand im Mittelpunkt der Aktivitäten - obwohl „Aktivitäten“
wahrscheinlich das falsche Wort ist für einen Haufen bekiffter Rucksacktouristen, die her-
umsitzen und Bob-Marley-Kassetten hören.
Wir kampierten eine halbe Meile den Strand hinunter. Solche Orte stelle ich mir gern als
Embryo-Städte vor: Die Restaurants waren die Innenstadt. Wer nah genug an den Restaur-
ants sein musste, um zum Zelt torkeln zu können, kampierte in der „Innenstadt“ neben den
Restaurants. Unser neuer Zeltplatz lag im Vorort. Hier landeten die längerfristigen Gäste,
die ein eigenes kleines Lager aufbauen und selbst kochen wollten. Von hier aus wurde der
fünfminütige Spaziergang zu den Restaurants zu einer kleinen Expedition, die man von
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