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Tobis Versuch, mit einem Schmäh Halbpreistickets herauszuschinden, schlägt fehl.
Dummerweise stellt sich heraus, dass die Adresse, die wir in Yale von Donna bekommen
haben, nicht mehr so ganz auf dem neuesten Stand ist: Unser Gastgeber in spe ist nicht auf-
zutreiben; auch nicht, als wir unser gesamtes Erspartes in ein Telefon stopfen, um Donna
höchstpersönlich anzurufen.
Stefan wirft sich daraufhin jammernd auf die Erde, erhebt die Hände beschwörend gen
Himmel und klagt laut und herzzerreißend über unser elendes Schicksal. Unser sendungs-
bewusster Spezialfreund in Le Roy wäre davon sicherlich begeistert gewesen - doch hier
lässt die Antwort der Götter erstaunlich lange auf sich warten. Hört uns hier denn wirklich
niemand? - Doch wenigstens hört uns Kyle. Kyle arbeitet im Ticket Office und lädt uns
freundlicherweise ein, bei ihm zu übernachten.
Kyle ist trotz (oder gerade wegen) seiner 17 Jahre ein Mann von Format, Stil und Weit-
blick. In weniger als fünf Minuten erkennt er, dass er in uns nicht nur ein paar neue Freun-
de, sondern auch ein paar nützliche Gehilfen gewonnen hat: Am Abend ist schließlich
Teeny-Disco, und Teenys dürfen zwar hierzulande bekanntlich ab 16 Auto fahren - aber
Alkohol trinken?!
Blitzartig treibt Kyle deshalb bei einem Freund einen aufklappbaren Wohnwagen auf,
schleppt ihn in den Vorgarten seiner Mutter (die war hellauf begeistert) und ködert uns mit
Wein, Weib und Gesang.
Als Kyle schließlich von seinem Alkoholproblem erzählt, sind wir voll des Mitleids
(„Wie ungerecht …“). Spontan und in dem unerschütterlichen Wissen, Kämpfer für eine
höhere, globale Gerechtigkeit zu sein, erklären wir uns bereit, für ihn und seine Freunde
einkaufen zu gehen. Kein schlechter Tausch: Sie zeigen uns ihre Jugendkultur. Wir zeigen
ihnen den österreichischen Weg - und der führt bekanntlich nicht gerade am Bier vorbei.
Freilich, die Jugendkultur hier ist ein wenig anders als bei uns. Nix Puch Maxi oder Ve-
spa - dafür aber jede Menge riesengroße, benzinsaufende Automatik-Cruisin'-Schlitten,
die ja sonst sowieso nur irgendwo auf Hinterhof-Schrottplätzen herumstehen würden. Man-
tamäßig (Ellenbogen raus, Subwoofer auf volle Leistung und so) geht's damit durch die
abendliche Hauptstraßenidylle. Eben mal checken, was so läuft. Was machen die Mädels?
Was machen die Jungs? Hmm… - Uns macht die ganze Sache ungeheuren Spaß (obwohl
wir dabei das Gefühl nicht loswerden, in unserer früheren Jugend irgendwas verpasst zu
haben).
Wie zu allem entschlossene Bankräuber fahren wir dann mit zwei Autos beim Super-
markt vor. Alles ist genau geplant und filmreif umgesetzt. - Wir wussten gar nicht, dass
Einkaufen so spannend sein kann: Halbstarke Minderjährige, die wir natürlich noch nie zu-
vor gesehen haben, verteilen sich (mehr oder weniger) unauffällig zwischen den Kaugum-
mi- und Waschmittelregalen und überwachen aus sicherer Entfernung die zu tätigenden
Einkäufe. Hin und wieder zischt uns einer eines dieser übel klingenden Tabuworte zu - wie
„Red Wolf“ oder „Yeigrmaister“ und wir machen dafür Channelsurfing in den Liquor-Re-
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