Travel Reference
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aufgeben (komplett durchgefressen!), meinen Camelbak kann ich retten. Ich komme
mit dem Leben davon.
Nachdem die gefräßigen Insekten einen Großteil unseres Reiseproviants verputzt haben,
vertrauen wir uns in Colusa wieder einmal einem typisch amerikanischen Fress-Sonder-
angebot an: All-you-can-eat-Rippchen mit Salatbar und kostenlosen Coke-Refills. - Die
Rippchen drücken und zwicken zwar ein wenig (vielleicht hätten wir sie doch nicht so gie-
rig hinunterschlingen sollen), dafür bieten sie eine solide Grundlage für den restlichen Tag.
Boxenstopp in Williams. Wir tanken Wasser, kaufen Bananen und halten oberflächlich
Ausschau nach einem Nachtquartier. Schließlich entscheiden wir uns, doch weiterzufahren:
Es liegt zwar schon ein Hauch von Abend in der Luft. Aber wenn wir heute noch ein paar
Meilen schaffen, können wir morgen eventuell schon in Santa Rosa sein.
Nur gibt es nach Williams leider weit und breit kein Haus mehr. Nichts außer Bergen
(jetzt aber wirklich endgültig den letzten) und einer erstaunlich schnell untergehenden Son-
ne. Im Zwielicht erreichen wir den Beginn der ersten Steigung. Als wir die bewältigt haben,
ist es fast dunkel. Eigentlich hatten wir uns hier oben ein paar Farmhäuser erhofft. Statt-
dessen müssen wir aber teuflisch aufpassen, dass uns nicht irgendein nach Hause eilender
Pendler niederfährt. Trotz vorgerückter Stunde ist der Verkehr hier oben noch immer be-
trächtlich. - Schließlich packen wir unsere Taschenlampen aus …
Während Tobi mit seinem roten Blinklicht hinter mir fährt, leuchte ich in
Fahrtrichtung nach dem Weg.
Langsam erhärtet sich der Verdacht, dass wir heute, nach 64 wohlbehüteten Nächten,
endgültig im Straßengraben schlafen müssen. Ob's hier wohl böse Schlangen gibt? Oben
auf dem nächsten Plateau sehen wir uns nach einem geeigneten Wiesenstück oder einem
überschaubaren Feldweg um. Wir können aber nichts entdecken, das wirklich einladend
aussieht.
Abfahrt im Lichtkegel der Taschenlampe. An der Talsohle hat uns der Straßenatlas eine
Kreuzung in Aussicht gestellt. Die wollen wir noch erreichen. An Kreuzungen stehen doch
immer irgendwelche Häuser, oder?
Wir haben Glück. Aus der Dunkelheit tauchen plötzlich die Umrisse einer Feuerwehrsta-
tion auf. - Alle unsere Erwartungen werden wieder einmal übertroffen. Die Stationsleiterin
erklärt uns, dass hier nur selten so coole Typen wie wir vorbeikommen. Die übliche Kund-
schaft bestehe aus irgendwelchen Losern; Softies, deren Fahrzeug zusammengebrochen ist,
zum Beispiel … - Ein Glück, dass die uns nicht näher kennt. Wir freuen uns jedenfalls
auch, dass wir hier sind.
So kommen wir heute noch in den unerwarteten Genuss luxuriöser Duschräume. An-
schließend, zum Fernsehen, serviert man uns Ananassaft. Auch das heutige Schlafgemach
in der Garage hat etwas Exklusives: Direkt neben uns ruht das zwölf Tonnen schwere
Löschzug-Schlachtschiff der Station. Sollte heute Nacht Feueralarm sein, erklärt man uns
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